Tauchsafari zu den St. Johns-Riffen mit der Sea Friend

Ägypten




Am 7.9.06 war es endlich soweit. Nach 3 Jahren stand mal wieder eine Tauchsafari an, und auch Ägypten hatte ich immerhin 2 ˝ Jahre nicht besucht. Mit der Sea Friend ging es zu den St. Johns-Riffen ganz im Süden Ägyptens, beinahe schon an der sudanesischen Grenze. Die Erwartungen waren groß, hatte doch mein Buddy Uwe, der mich wieder einmal begleitete, einige Jahre zuvor an diesen Riffen täglich Hammerhaie gesehen. Was würde uns dieses Mal erwarten?

Pier von Hamata

Los ging es ab Frankfurt mitten in der Nacht. Die Hapag Fly-Maschine startete relativ pünktlich gegen 3.15 und brachte uns in ca. 4 ˝ Stunden nach Marsa Alam. An Schlafen war kaum zu denken gewesen, davon hielten einen die sensationell engen Sitze und auch das Bordpersonal erfolgreich ab. Nachholen konnten wir den Schlaf auf dem etwa 2-stündigen Bustranfer von Marsa Alam nach Hamata. Wir hatten den Minibus für uns alleine, da unsere Mittaucher alle erst abends mit einer anderen Maschine eintreffen würden, und nach ein paar Minuten konnten uns auch der Anblick des Meeres und das Gespräch mit Luc, unserem belgischen Diveguide, der uns selbst abgeholt hatte, nicht mehr vom Schlafen abhalten. Gegen 11.00 erreichten wir den Steg von Hamata, einen einsamen Pier zwischen Wüste und Meer. Neben der Sea Friend lagen noch ein paar andere Safari-Boote vor Anker. Mit dem Zodiac setzten wir über.

Crew der Seafriend

An Bord wurden wir von der Crew begrüßt. Man war noch dabei, die Kabinen zu räumen, die Gäste aus der Vorwoche hatten das Boot eben erst verlassen, und wir bekamen zunächst mal ein Mittagsessen. Danach konnten wir uns eine der 10 Doppelkabinen aussuchen. Die meisten Kabinen liegen unter Deck, es gibt aber auch 2 „Honeymoon-Suites“ am Oberdeck. Das Boot machte insgesamt einen sehr ordentlichen Eindruck. Sollte es allerdings auch, denn es war zwar schon ein gutes Jahr zuvor vom Stapel gelaufen, hatte danach aber lange im Hafen gelegen und die ersten Safaris erst vor ein paar Monaten gemacht. Alle Kabinen haben ein separates Badezimmer mit Dusche und WC, welches im Gegensatz zu Badezimmern auf anderen Booten, die ich kenne, sogar eine gewisse Bewegungsfreiheit erlaubt. Oder anders gesagt: man braucht nicht auf der Toilette sitzend zu duschen, und das Papier wird auch nicht notwendigerweise beim Duschen nass. Die Kabinen selbst sind ebenfalls recht geräumig, bieten ausreichend Stauraum und haben separat regelbare Klimaanlagen.

Erst spät abends trafen unsere Mittaucher ein, so dass das Abendessen beinahe schon zu einem Mitternachtssnack geriet. Erstaunt war ich dann doch über die Anzahl der Gäste. Natürlich hatte ich gewusst, dass 20 Taucher auf dem Boot Platz finden, hatte mir dies aber nie bildlich vorgestellt. Das Boot war sogar überbucht, wir waren 21 Gäste und 2 Diveguides (Luc hatte noch Verstärkung durch einen ägyptischen Guide). Im Vergleich zu Safaris, die ich früher gemacht hatte, war das schon eine stattliche Anzahl Taucher, und auf der Tauchplattform wäre es recht eng geworden, wären wir nicht immer in 3-4 Gruppen nacheinander Tauchen gegangen.

Rotfeuerfisch jagt Kardinalfisch Beim Fressen des Kardinalfisches

Natürlich mussten wir mit dem Tauchen noch bis zum nächsten Tag warten, wobei wir uns zunächst noch weiter in Geduld üben mussten. Ablegen sollten wir eigentlich um 9.00 Uhr, doch es dauerte bis 11.00 Uhr, bis alle Formalitäten mit den ägyptischen Behörden erledigt waren. Um 12.30 waren wir dann tatsächlich das erste Mal unter Wasser. Der Tauchplatz hieß „Abu Galawa“ und gehört zu den Fury Shoals. Hier gab es ein kleines Wrack in geringer Tiefe zu sehen. Weiter ging es nach Sataya, wo wir einen Nachmittags- und einen Nachttauchgang machten. Letzterer war einer der schönsten Tauchgänge der Safari, da die Gruppe Rotfeuerfische, die wir bereits nachmittags gesehen hatten, Jagd auf kleine Kardinalfische machte und sich bereitwillig beim Fressen beobachten ließ. Hatten die Rotfeuerfische einen Beutefisch entdeckt, schwammen sie zügig hin, stellten sich senkrecht darüber und stießen blitzschnell hinunter.

Rotfeuerfisch jagt Kardinalfisch Unmittelbar nach dem Fressen

Das alles ging mit einer solchen Geschwindigkeit vonstatten, dass es unmöglich war, den eigentlichen Fressvorgang abzulichten. Selbst eine Videokamera hätte dies wahrscheinlich nicht geschafft; es hätte wohl eine Hochgeschwindigkeitskamera sein müssen. Interessant war es dennoch, ich hatte etwas vergleichbares zuvor noch nie gesehen, und die Rotfeuerfische ließen sich durch meine Anwesenheit nicht stören. Fast hatte ich sogar den Eindruck, dass sie sich sogar das Pilotlicht meines Blitzes zunutze machten, da sie, wann immer ich einen der kleinen Kardinalfische anleuchtete, diesen sofort ins Visier nahmen.

Trawler an Surnaka

Am nächsten Tag erreichten wir mit Surnaka bereits die St. John´s-Inseln. Beim Early Morning Dive betauchten wir das Wrack eines kleinen Fischtrawlers, welcher erst ´93 gesunken war. Entsprechend gab es an dem aufrecht zwischen 30 und 50 m am Riff stehenden Wrack noch kaum Bewuchs. Über Ghardereem ging es weiter zu St. John´s 8 zum Nachmittags- und Nachttauchgang. Den Nachttauchgang machten wir nach Absprache jeweils entweder vor oder erst nach dem Dinner.

Den Early Morning Dive am Tag 3 machten wir an Habili Gaffar, einem kleinen (ca. 30 m Länge) direkt unter der Wasseroberfläche gelegenen Riff, welches wir mehrfach umrundeten. An der Spitze des Riffes standen Makrelen und Schnapper in der Strömung, gelegentlich kam ein Thunfisch vorbei, auf noch Größeres aber warteten wir leider vergebens! Natürlich war uns klar, woran das lag: mit beinahe 31°C war das Wasser einfach zu warm. Die ersehnten Haie hielten sich natürlich in viel größeren Tiefen auf, ihnen war es schlichtweg zu warm. Wir gaben zwar die Hoffnung nicht auf, aber am Ende war es meine erste komplett Hai-freie Ägypten-Safari. Die weiteren Tauchgänge des Tages erfolgten an St. John´s 4 (Mittags-TG) und Abu Basala (Nachmittags- und Nacht-TG).

Suppenschildkröte frisst Qualle Suppenschildkröte frisst Qualle

Das nächste Highlight erwartete uns während des Early Morning Dives an Gota Kebir am nächsten Tag. Hier entdeckten wir zwei Suppenschild-
kröten beim Fressen von Quallen. Die beiden ließen sich überhaupt nicht stören, im Gegenteil, vor allem das Weibchen war äußerst zutraulich und stupste den Blitz meiner Kamera und mich selbst mehrfach mit ihren Vordergliedmaßen und ihrem Schnabel an. Wir ließen uns eine halbe Stunde mit den beiden Schildkröten im Blau treiben, und mir gelangen einige schöne Bilder, bevor wir uns vom Zodiac wieder auflesen ließen. Den Mittags-TG machten wir an Gota Soraya, einem wunderschönen Drop Off, den Nachmittags- und Nacht-TG an Um Aruk (= St. John´s 1).

Die Hoffnung auf Großfisch immer noch nicht aufgegeben, begannen wir den Morgen des 5. Tages wieder an Gota Soraya, aber kälter war das Wasser halt immer noch nicht. Dann mussten wir die Rückreise antreten. Der 2. Tauchgang des Tages erfolgte an Ghardereem, Nachmittags- und Nachttauchgang an Shaab Claudia, wo wir am 6. und letzten Tag auch noch den Early Morning machten.

Karte von Ägyptens Süden

Insgesamt war es eine schöne Safari, auch wenn die erträumten Hai-Lights ausblieben. Eine Safari ist immer etwas besonderes. Für mich ist es die schönste Art zu Tauchen, nicht nur, weil man in Regionen tauchen kann, die anders kaum erreichbar sind, sondern weil man tatsächlich dem Alltag auf so einem kleinem (oder im Fall der Sea Friend nicht ganz so kleinen, dazu gleich noch etwas) Safariboot einfach am besten entrinnen kann. Abends Sternenhimmel und Meeresrauschen statt Fernsehen, und an St. John´s noch nicht einmal Handy-Netz.

Noch ein Wort zum Boot an und für sich. Sicher bietet ein Boot der neuen Generation wie die Sea Friend mehr Komfort als die älteren und kleineren Safariboote, hat aber auch Nachteile. Mir persönlich waren z.B. zu viele Leute auf dem Boot. Und dass die Größe nicht unbedingt etwas über die Qualität aussagt, beweist zum Beispiel das Essen, das auf der Sea Friend zwar durchaus genießbar, aber mehr auch nicht war. Abwechselung fehlte, mengenmäßig war es manchmal auch suboptimal, und das Frühstück war geradezu lieblos. Da hatte ich auf manch kleinerem Boot mit deutlich kleinerer Kombüse schon wesentlich mehr Kreativität erlebt. Aber der Trend zu größeren Booten wird wohl nicht aufzuhalten sein. Die bis vor kurzem auf der Sea Friend übrigens offenbar noch übliche Getränkepauschale hatte man inzwischen zugunsten einer Getränkelistenregelung fallengelassen. Die Preise habe ich nicht mehr genau im Kopf, sie waren aber moderat, ich glaube, 1€ für eine Dose Softdrinks und 3€ für einen halben Liter Bier.

Schnapperschwarm

Eine Überraschung erlebten wir noch in Ras Ghalib, wo wir die letzte Nacht im Coral Beach Hotel verbrachten. Hatte Ras Ghalib vor 8 Jahr noch aus einem einzigen Steg mit Bretterverschlag bestanden, ähnlich wie Hamata noch heute, entsteht hier momentan eine riesige künstliche Stadt, die man vielleicht einmal das Venedig Ägyptens nennen wird. Das Meer wurde in etlichen Kanälen ins Landesinnere verlängert, und es entstehen ein große Anzahl von Hotels und eine riesige Marina. Das Coral Beach ist bislang das erste Hotel, welches tatsächlich eröffnet ist, und in der großen Marina gibt es auch noch keinen einzigen Laden, aber Safariboote liegen bereits in Hülle und Fülle an den Anlegeplätzen, und auch hier ist der Trend zu immer Größerem nicht zu übersehen. Wem´s gefällt...

Wir flogen am nächsten Tag mit gemischten Gefühlen, was die weitere touristische Erschließung des Roten Meeres angeht, heim. Dort erwartete mich allerdings eine sehr erfreuliche Überraschung. Doch darüber mehr, wenn ich von meinem nächsten Tauchtrip, der mich wieder nach Südafrika führen wird, zurück bin...

Schauen Sie sich die aktuellen Bilder und auch die Bilder von St. Johns aus 2008 an.

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