Anthony´s Key Resort, Roatan, Honduras




Anthony´s Key

Nachdem mein erster und bis dato letzter Tauchurlaub in der Karibik schon mehr als 10 Jahre her ist (Cozumel 1995), wurde der Wunsch, mal wieder einen Abstecher dorthin zu machen, immer größer. Außerdem wollte meine Freundin gerne mit Delphinen tauchen. Bei einer Internetrecherche stießen wir auf das Anthony´s Key Resort auf Roatan, wo dies möglich sein sollte. Nachdem wir uns noch genauer über das im November zu erwartende Hurrikanrisiko informiert hatten, stand unser Entschluss fest: vom 3.11. bis 17.11.2007 ging es an die Nordküste Roatans. (Unsere Urlaubsplanungen begannen gerade in der Zeit, als der Hurrikan Felix im September Nicaragua heimsuchte und sich an der Grenze zu Honduras gerade noch abschwächte. Die zu Honduras gehörenden Bay Islands, zu denen auch Roatan zählt, waren bereits evakuiert worden. In den letzten zehn Jahren war Honduras allerdings nie später als Oktober von einem Hurrikan in Mitleidenschaft gezogen worden.)

Einer der vier Walhaie im Georgia Aquarium, Atlanta, Georgia

Obwohl die gesamte Flugzeit bis Roatan "nur" etwa 13 Stunden beträgt, ist eine Zwischenübernachtung in den USA z.B. in Miami, Houston oder Atlanta erforderlich, da es keine Direktflüge gibt. Wir flogen mit Delta und erreichten am späten Nachmittag Atlanta. Den Abend verbrachten wir in Downtown Atlanta. Dort ist vor wenigen Jahren eines der größten Aquarien der Welt eröffnet worden. Die Hauptattraktion des Georgia Aquariums sind vier Walhaie, die neben Hammerhaien, Leopardenhaien und anderen in einem riesigen Schaubecken ihre Kreise ziehen. Wir hatten Glück, denn eigentlich ist das Aquarium abends geschlossen. An diesem Freitag Abend allerdings gab es eine Aktion der Georgia State University, und das Aquarium war bis 22 Uhr geöffnet. Der Anblick der Ozeanriesen in ihrem zwar gigantischen, verglichen mit den normalen Wanderrouten der Walhaie eben aber doch kleinen Becken, war zwar beeindruckend, stimmt uns allerdings zugleich einmal mehr nachdenklich über den Sinn solcher Aquarien. Vielleicht aber tragen diese vier Walhaie ihren Teil dazu bei, auf die prekäre Situation in unseren Weltmeeren aufmerksam zu machen und auch das Bild der Haie als Killermaschinen zurechtzurücken.

Pier des AKR mit Tauchbasis und Snackshop

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Roatan, wo wir am Flughafen schon von einem Fahrer des Resorts erwartet wurden. Eine knappe halbe Stunde später erreichten wir das Anthony´s Key Resort und waren begeistert. Die Anlage besteht aus einzelnen Holzbungalows und fügt sich harmonisch in die Natur ein. Rezeption, Restaurant und Bar liegen nebst einigen Bungalows an einem Hang auf Roatan selbst. Am Wasser liegen die Tauchbasis, ein Photo-Shop, ein Snack-Shop, die Tauchschule, die Dekokammer, der Gift-Shop und das Roatan Institute for Marine Sciences, wo auch die täglichen Delphin-Shows stattfinden und ein Museum die Geschichte Roatans näher bringt. Die meisten Bungalows befinden sich auf dem vorgelagerten Anthony´s Key, einer kleinen Insel. Hier gibt es auch einen Pool mit Poolbar und eine weitere kleine Tauchbasis für Shore-Dives, die von hier aus bis 22.00 täglich möglich sind (wenn es das Wetter erlaubt, dazu später mehr...). Komplettiert wird die Anlage durch eine weitere kleine Insel, Bailey´s Key, der Heimat der Delphine, die hier in einem abgesperrten Areal in der Lagune wohnen und trainiert werden. Anthony´s und Bailey´s Key werden per kostenlosem Wassertaxi erreicht, Bailey´s Key ist bis 18.00 zugänglich, danach wird es aus Rücksicht auf die Delphine nicht mehr angefahren. Die Distanzen zwischen den Inseln sind gering, sowohl Bailey´s Key als auch Anthony´s Key liegen in der Lagune und werden von Roatan aus in weniger als einer Minute erreicht.

Bungalow "Hill Standard" im AKR

Die Bungalows gibt es in vier Kategorien, nämlich jeweils als Bungalow mit Aircon oder Deckenventilator auf Roatan selbst oder auf Anthony´s Key. Wir hatten uns für die preiswerteste Variante "Hill Standard" entschieden, sprich Bungalow mit Deckenventilator auf Roatan. Der Bungalow war zweckmäßig, aber gemütlich eingerichtet. Dadurch, dass es keine Fensterscheiben gibt, sondern ringsum in landestypischer Weise Holzlamellen, die als Sichtschutz gekippt werden können, und Fliegengitter, zog immer eine frische Brise durch den Bungalow, so dass wir den Deckenventilator nicht einmal einschalteten. Wie alle Bungalows bot auch unserer einen schönen Blick auf die Lagune bzw. das Meer.

Typische Karibische Unterwasserlandschaft

Nachdem wir am Ankunftstag sonniges Wetter hatten, waren wir am nächsten Morgen etwas ernüchtert, als wir von starken Regen und regelrechtem Sturm geweckt wurden. Unsere düsteren Vorahnungen nach einem Blick auf das Meer hinsichtlich des Tauchbetriebes bestätigten sich zum Glück nur zum Teil. Uns war schon klar gewesen, dass eine Bootsausfahrt aus dem Resort nicht möglich sein würde. Stattdessen aber wurden wir mit einem Bus auf die windgeschützte Südseite der Insel gefahren, wo wir statt der üblicherweise täglich durchgeführten drei Tauchgänge immerhin zwei Bootstauchgänge machen konnten. Die Unterwasserwelt war, wie ich sie mir erträumt hatte. Die Sichtweiten waren mit über 30 Metern sehr gut, und es gab Schwämme von wirklich beeindruckender Größe in allen Farben und Formen. Auch die Korallen konnten sich sehen lassen. Recht häufig entdeckten wir verschiedene Krebse und Langusten. Große Fischschwärme fehlten zwar, aber das störte angesichts der Schönheit und Intaktheit der Riffe nicht wirklich. Obwohl das Resort unter amerikanischer Leitung stand und praktisch nur von US-Amerikanern frequentiert wurde, waren die Tauchgänge nicht so kurz (und schnell hintereinander) wie ich befürchtet hatte, sondern Tauchzeiten von 50 – 60 min waren die Regel, und es wurde auf ausreichende Oberflächenpausen geachtet.

Abends gab es in der Tauchschule des Resorts einen knapp einstündigen Diavortag über die Unterwasserfauna Roatans, der von einer Meeresbiologin gehalten wurde und sehr informativ war. Schon bei meinen ersten beiden Tauchgängen waren mir deutliche Unterschiede zum Indopazifik aufgefallen, was die vertretenen Arten betraf. Natürlich gibt es in der Karibik andere Arten von z.B. Falter- oder Kaiserfischen als z.B. in Thailand, aber auffälliger noch fand ich das Fehlen bestimmter Arten. So gibt es offenbar zumindest auf Roatan keine Anemonen- und Fledermausfische (zumindest nicht der Gattung Platax, sondern nur der Gattungen Halieutichthys oder Ogcocephalus, die allerdings im Gegensatz zu den indopazifischen Arten bodenbewohnend und mit diesen nicht verwandt sind). Auch Rotfeuerfische kommen nicht regelmäßig vor, sondern werden vielmehr als unerwünschte Einwanderer (Neobiota) steckbrieflich gesucht. Wir sahen in zwei Wochen nicht einen einzigen.

Caramello vor dem Ausritt

Delphin-Show

Das Wetter wurde leider in den nächsten drei Tagen nicht wirklich besser, es regnete eigentlich ununterbrochen, und die Sonne kam nicht mal zeitweise zum Vorschein. Immerhin ließ der Sturm zumindest vormittags nach, so dass ab dem dritten Tag die Ausfahrten direkt aus dem Resort stattfanden und die lästigen Busfahrten unterblieben. Nachmittags frischte der Wind aber immer noch auf, so dass weiterhin nur zwei Tauchgänge vormittags angeboten wurden. Das störte uns nicht weiter, denn als schöne Abwechselung zum Tauchen bietet das Resort (wie das Tauchen im Preis inbegriffen) ca. einstündige Ausritte auf Quarterhorses am Strand entlang unter Führung eines Wranglers, wovon wir regelmäßig Gebrauch machten. Eine weiter Abwechselung waren die Delphin-Shows, die allerdings in der ersten Woche auch oft dem Wetter bzw. den Algen (s.u.) zum Opfer fielen.

Kennenlernen der Delphine vor dem Dolphin Dive

Am fünften Tag zeigte sich endlich die Sonne, und der Wind ließ deutlich nach, so dass endlich die in den vergangenen Tagen immer wieder verschobenen Delphin-Tauchgänge, der eigentliche Grund unserer Reise, stattfinden konnten. Vor dem eigentlichen Tauchgang gibt es ein Briefing bei den Delphinen auf Bailey´s Key. (Hier sahen wir auch das Hauptproblem, das an den Tagen zuvor die Delphintauchgänge verhindert hatte: der Sturm hatte soviel Algen an die Umzäunung gespült, dass die Tore nicht zu öffnen gewesen waren. Auch jetzt war man noch dabei, den Rest der Algen zu beseitigen.) Die Tauchgruppe versammelt sich auf einer Plattform und bekommt die beiden Delphine, die den Tauchgang begleiten, vorgestellt. In unserem Fall waren das Payo, das 22-jährige Alpha-Männchen, und Fire, ein 7-jähriges Männchen. Ein Delphintrainer erläuterte uns die Delphin-Haltung im Resort, brachte uns die Anatomie der Delphine näher, wobei sich Payo im Wasser vor uns legte und streicheln ließ, und ließ Payo einige Kunststücke vorführen.

Payo mit seinem Trainer unter Wasser

Nach etwa einer halben Stunde der Eingewöhnung geht es weiter zum Tauchplatz Front Porch, einem etwa 20 m tiefen, sandigen, direkt vor Anthony´s Key gelegenen Tauchplatz. Dem Tauchboot folgt ein kleineres Boot mit zwei Delphintrainern, dem wiederum die Delphine ins offene Meer folgen. Die Tauchgruppe taucht ab und wartet auf dem Sandgrund, wenig später gesellt sich der Delphintrainer dazu, und dann heißt es warten. Ich war zunächst einmal sehr enttäuscht, als ich schon beim Abtauchen bemerkte, dass die Sicht hier eine ganz andere war, als an den Tagen zuvor. Bei Sichtweiten um 5 m fühlte ich mich eher an meine Bodenseetauchgänge im September erinnert. Wahrscheinlich war die Ursache die Tatsache, dass wir nicht an einem Riff tauchten, sondern eben über Sandgrund. Tatsächlich tauchte nach einer Weile des Wartens der erste der beiden Delphine auf und schwamm kurz an uns vorbei. Nachdem uns beide Delphine einige Minuten lang immer nur kurz besucht hatten, verweilten sie schließlich tatsächlich bei und zwischen uns und suchten sogar körperlichen Kontakt. Wenn man bedenkt, wie scheu sich wilde Delphine in der Regel gegenüber Gerätetauchern verhalten, war dies schon eine einzigartige Erfahrung. Zum Photographieren war leider die Sicht zu schlecht. Dies änderte sich erfreulicherweise am nächsten Tag, an dem ich den Delphintauchgang aufgrund der mageren Fotoausbeute des Vortages gleich noch einmal machte. Die Sicht war zwar immer noch lange nicht so gut wie an den übrigen Plätzen, betrug aber immerhin 10-15 Meter, und es gelangen mir ein paar schöne Schnappschüsse von Payo und Fire.

Über die Haltung von Delphinen in Delphinarien mag man geteilter Meinung sein. Hier hatte ich nicht das Gefühl, mir Gedanken machen zu müssen, denn wenn die Delphine die Möglichkeit haben, frei im Meer zu schwimmen, und dann freiwillig in das Resort zurückkehren, kann es ihnen dort nicht wirklich schlecht gehen. Dies gilt übrigens nicht nur für im Resort geborene Delphine (das Anthony´s Key Resort gibt es seit mehr als 40 Jahren), sondern auch für Wildfänge. Vor etwa zehn Jahren wurde das Resort durch einen Hurrikan schwer beschädigt und die Umzäunung der Delphingehege völlig zerstört. Auch damals blieben alle Delphine im Resort.

Karibischer Riffhai während der Haifütterung

Einen anderen "Spezial-"Tauchgang machten wir anderntags auf der Südseite der Insel am Tauchplatz Cara a Cara (Face to face). Hier werden unter Leitung eines Italienischen Guides einer anderen Tauchbasis Sharkdives angeboten, bei denen etwa 20 Karibische Riffhaie angefüttert werden. Da der Tauchgang in unserem Tauchpaket enthalten war und wir noch nie an etwas derartigem teilgenommen hatten, machten wir den Tauchgang trotz unserer Vorbehalte gegen Haifütterungen mit. Es war eine gute Gelegenheit, Bilder dieser eleganten Tiere zu machen, zumal wir während unserer zwei Wochen außer zwei schlafenden Ammenhaien keine weiteren Haie sahen. Ansonsten erschien mir das Füttern der Haie doch als ein großer Eingriff in die Natur, denn das Verhalten der Haie war nicht so, wie ich es von Begegnungen mit anderen, ebenfalls jagenden Haien kannte, und auch das Verhalten der wohl immer anwesenden riesigen Zackenbarsche und einer scheinbar uralten, zahnlosen Grünen Muräne, die allesamt keinerlei Fluchtdistanz hatten, waren absolut unnatürlich.

Seepferdchen

In den letzten zehn Tagen unseres Aufenthaltes war das Wetter für die Jahreszeit sehr schön. Sicher war es gelegentlich stürmisch, und es gab den ein oder anderen Schauer, aber insgesamt war es überwiegend sonnig, und der Tauchbetrieb lief in normalen Bahnen, so dass wir eine ganze Reihe schöner Tauchgänge sowohl an der Nord- als auch an der Südseite der Insel machten. Zwei der schönsten Tauchplätze waren Mary´s Place an der Südseite in der Nähe von French Harbour, wo man durch mehrere schöne Canyons tauchen kann, und Keyhole im Süden nahe der Westspitze der Insel, wo es zwei standorttreue Seepferdchen gibt.

Fins´n Flippers

Die Tauchgänge werden üblicherweise als einzelne Tauchgänge durchführt. Bei den Tauchgängen auf der Südseite der Insel hingegen werden oft zwei Tauchgänge kombiniert mit einer einem Zwischenaufenthalt in "Fins´n Flippers", einem Ableger des Anthony´s Key Resort an der Südseite in der Nähe von Coxen Hole. Diese Dependance wurde wohl in der Hauptsache für Gäste der in Coxen Hole anlandenden Kreuzfahrtschiffe errichtet, eignet sich aber mit seiner gepflegten Anlage mit Pool, Strand und Souvenirshop auch gut für die Mittagspause zwischen den Tauchgängen.

Flecklanguste beim Nachttauchgang

Nach vier Wochen ohne Nachttauchgänge ließ das Wetter am Samstag unserer ersten Woche erstmals wieder einen Nachttauchgang zu, dem ich mich sofort anschloss. Gehofft hatte ich, einen der Krötenfische zu sehen, die man teilweise schon tagsüber hörte, aber nie zu Gesicht bekam. Krötenfische verdanken ihren Namen der Tatsache, dass sie unter Wasser ähnliche Geräusche produzieren wie Kröten, wobei mich die Laute eher an ein auf Vibrationsalarm eingestelltes Mobiltelefon, das auf einem Resonanzkörper liegt, erinnerte. Äußerlich haben Krötenfische mit ihren amphibischen Namensvettern nicht viel gemein. Es handelt sich um bodenbewohnende Fische mit stark abgeflachtem Profil und großem Kopf. Tagsüber liegen Krötenfische versteckt in Höhlen und unter Überhänge, nachts gehen sie auf die Jagd. Entsprechend laut war die Geräuschkulisse. Teilweise war das "Quaken" so laut, dass es mir schon fast so vorkam, als hielte ich mir das oben erwähnte Handy direkt ans Ohr. Nur, zu Gesicht bekamen wir trotz intensiver Suche keinen einzigen. Dafür gab es eine regelrechte Invasion teils riesiger stacheliger Spinnenkrabben, Karibischer und Fleckenlangusten, die scheinbar ungeschickt über die Korallen staksten. Auch mehrere Octopusse waren auf der Jagd. Der auf 40 Minuten limitierte Tauchgang ging viel zu schnell vorbei. In der nächsten Woche ergab sich nochmals die Gelegenheit für einen Nachttauchgang, der ähnlich schön war wie der erste.

Papagei im Gumbalimba-Park

Über Wasser hat Roatan längst nicht so viel zu bieten wie unter Wasser. Wir unternahmen einen Nachmittagsausflug in den Gumbalimba-Park, wo man in einer künstlichen Höhle anhand von Bildern und Pappmachefiguren etwas über die Piraten, die die Gewässer um Roatan unsicher gemacht haben (sollen), erfährt, und Meerkatzen und Papageien in einer Art Streichelzoo anschauen kann. Insgesamt kein unbedingtes Muss.

Leider gingen auch diese zwei Wochen irgendwann vorbei, und wir traten die Heimreise an, wieder mit einer Zwischenübernachtung in Atlanta. Roatan und das Anthony´s Key Resort mit seinen Delphinen haben uns sehr gefallen. Wir werden wieder kommen!

Und nun werfen Sie einen Blick auf Bilder von Roatan.

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