Sipadan und Mabul

Malaysia




Strand von Mabul Malaysische Flagge

Am 20.05.06 war es endlich wieder soweit: der lang ersehnte Tauchurlaub konnte beginnen. Das Ziel war dieses Mal Mabul, eine in Taucherkreisen recht bekannte Insel vor der Küste Borneos zwischen Malaysia und den Philippinen. Eine Traumdestination, allerdings fast am anderen Ende der Welt. Entsprechend lang war die Anreise: mit Malaysian Air ging es von Frankfurt nach Kuala Lumpur, von dort nach einem kurzen Aufenthalt weiter nach Kota Kinabalu, der Hauptstadt des malaysischen Teils der Insel Borneo, und schließlich nach einem weiteren kurzen Aufenthalt nach Tawau an der Südostküste Borneos. Das Gepäck wurde von Frankfurt gleich bis Tawau durchgecheckt, so dass das Umsteigen, zumal die Maschinen alle pünktlich waren, sehr bequem war. Tauchgepäck hatten wir bei der Buchung angemeldet, 15 kg zusätzlich pro Person hatten wir frei.

Restaurant Sipadan-Mabul-Resort Im Restaurant des Sipadan-Mabul-Resort

In Tawau erwartete uns am Flughafen ein klimatisierter Shuttlebus der Smart Divers-Tauchbasis auf Mabul, der uns in einer etwa 1 ½-stündigen Fahrt zur Hafenstadt Semporna brachte. Dort stiegen wir in das schon im Hafen bereit stehende Speedboot und erreichten nach einer knappen weiteren Stunde gegen 15.30 Uhr Ortszeit endlich Mabul. In der Ferne sahen wir auch die in 20 min mit dem Boot zu erreichende Insel Sipadan, auf der es bis zum Jahresbeginn ´94 ebenfalls Resorts gegeben hatte, und die etwas näher gelegene Sandbank Kapalai. Insgesamt hatte die Anreise von „Haustür zu Haustür“ etwas über 24 Stunden gedauert, war aber bestens organisiert gewesen.

Bungalow auf Mabul offener Duschbereich

Im offenen Restaurantbereich wurde uns ein Willkommens-Cocktail serviert, und Ben, der Leiter der Smart-Divers- Tauchbasis, hielt gleich ein ausführliches Briefing ab und kontrollierte Logbücher und Tauchtauglichkeitsuntersuchungen. Die Neuankömmlinge wurden alle einem Divemaster und Boot zugeteilt, auf dem sie üblicherweise auch für die Dauer ihres Aufenthaltes blieben. Danach brachte man uns und unser Gepäck zu unserem Bungalow, wo wir noch ein paar Stunden Zeit hatten, uns für das Abendessen frisch zu machen. Unser Bungalow lag in der 2. Reihe, bot aber dennoch einen schönen Blick auf das Meer und war sehr komfortabel eingerichtet incl. Klimaanlage. Besonders gefiel mir das Freiluftbadezimmer, das durch Fliegengitter von unliebsamen Besuchern frei gehalten wurde.
Unser erstes Dinner war gleich ein Highlight, denn sonntags und mittwochs gab es immer ein Barbecue, und unser Ankunftstag war ein Sonntag. Am Strand erwartete es uns ein hübsch dekoriertes Buffet und ein großer Grill, auf dem Thunfisch, Garnelen, Tintenfischringe sowie Lamm und Hähnchenspießchen lagen und einen verführerischen Duft verbreiteten. Der Urlaub fing gut an!

Tauchbasis des Sipadan-Mabul-Resort Jetty des Sipadan-Mabul-Resort

Am nächsten Morgen ging es dann endlich nach dem Frühstück zum ersten Tauchgang. Üblicherweise werden vormittags 2 Tauchgänge auf Sipadan gemacht mit einer Oberflächenpause von einer guten Stunde auf Sipadan und nachmittags ein Bootstauchgang auf Mabul. Daneben steht es jedem Gast frei, weitere Strandtauchgänge auf Mabul zu machen, wobei es sich hierzu anbietet, das vor einigen Jahren von der Tauchbasis bei den Wasser-Bungalows errichtete künstliche Riff zu erkunden, das unter anderem von 2 kapitalen Zackenbarschen bewohnt wird. Natürlich sind auch Nachttauchgänge und nach Absprache weitere Bootstauchgänge möglich.

Die Abfahrt zu den Vormittagstauchgängen ist üblicherweise um 8.00 Uhr bzw. 8.30 Uhr, nach Absprache sind auch Early Morning Dives mit Abfahrt ab 5.30 Uhr möglich. Wir legten mit unserem Divemaster Ronny um 8.00 Uhr am Jetty von Mabul ab und erreichten ca. 20 min später Sipadan. Nach einem kurzen Briefing sprangen wir endlich eine Viertelstunde später an der "White-Tip-Avenue" ins 29°C warme Nass. Auf 5m wurden wir bereits von einem großen alten Barracuda erwartet. Außerdem sahen wir einige Weißspitzenriffhaie und zahllose Schildkröten. Das Aufkommen an Suppenschildkröten (green turtles) vor Sipadan ist gewaltig. Ich habe noch nie so viele Schildkröten auf einmal gesehen. Wir sahen pro Tauchgang sicher (Ausnahmen bestätigen die Regel) 20-30 Exemplare. Auch Riffhaie (Weißspitzenriffhaie, graue Riffhaie, gelegentlich auch Leoparden- und Schwarzspitzen­riffhaie) waren regelmäßige Begleiter. Die Sichtweiten variierten von Tag zu Tag und bewegten sich zwischen 10 und 30 m. Zuweilen – an manchen Tauchplätzen immer – gab es auch stärkere Strömung.

Zeitungsartikel über das Schiffsunglück auf Sipadan

Nach dem ersten Tauchgang machten wir unsere Oberflächenpause auf Sipadan, wo sich am Strand die Taucher auch aller anderen Tauchbasen (auf Mabul gibt es eine zweite Tauchbasis sowie die Basen von Kapalai und aus Semporna) trafen. Zur Stärkung gab es warme Getränke und Sandwiches. Eigentlich hatte ich gedacht, dass man Sipadan, nachdem die Resorts vor eineinhalb Jahren aus Naturschutzgründen geschlossen worden waren, gar nicht mehr betreten durfte, doch scheinen sich die Pläne der Regierung wieder zu ändern. Nach Auskunft der Tauchbasis ist sogar geplant, vor dem Strand auf Betonpfeilern ein großes Restaurant zu errichten. Leider war nur wenige Tage vor unserer Ankunft eines der Schiffe, welches die Betonpfeiler setzen sollte, aufs das Riff aufgelaufen, und hatte einen beträchtlichen Flurschaden angerichtet. Der Tagespresse war zu entnehmen, dass dieser Umstand die Diskussion um das geplante Restaurant wieder aufleben lassen hatte. Ich persönlich finde ein Restaurant nicht sinnvoll, da es die Schließung der Resorts fast schon ad absurdum führt. Ich würde sogar dafür plädieren, die Oberflächenpause auf den Booten zu verbringen. Die Strände von Sipadan werden von den Schildkröten zur Eiablage aufgesucht, und es gibt weitere Tierarten auf Sipadan, die geschützt werden sollten. Mehrfach sahen wir Warane und Seeschlangen. Zum Schutz nicht nur der Touristen gibt es übrigens seit den Entführungsfällen auf Sipadan vor 5 Jahren ständige Militärpräsenz auf der Insel. Es war in den ersten Tagen schon etwas gewöhnungsbedürftig, gleich neben dem Unterstand mit schwer bewaffneten Soldaten, die allerdings sehr freundlich waren, das 2. Frühstück zu verputzen.

Tauchplatzkarten Mabul und Kapalai

Nach dem 2. Tauchgang waren wir pünktlich zum Mittagessen gegen 12.00 Uhr wieder auf Mabul. Die Ausfahrt zum Nachmittagstauchgang war um 14.00 Uhr. Wir fuhren Paradise one an. Während es an den Drop Offs von Sipadan in erster Linie Großfisch zu bestaunen gibt, wartet Mabul mit seinen sanft abfallenden und in etwa 20 m in Sandgrund auslaufenden Riffen eher mit zum teil sehr exotischen Kleinlebewesen auf. Tiere, die man an anderen Destinationen suchen muss, gibt es hier teilweise in Hülle und Fülle, z.B. Pygmäenseepferdchen, Geistermuränen etc. Entsprechend fiel auch die Wahl meiner Objektive aus. Nach Sipadan nahm ich in der Regel mein Weitwinkel-Objektiv mit (es empfiehlt sich, bei einem Tauchgang für die beiden Fetzengeisterfische am Barracuda-Point, wenn man die Barracudas oft genug gesehen hat, auch einmal das Makro einzupacken), während ich auf Mabul das Makro benutzte.

Neben dem schon erwähnten künstlichen Hausriff (Tauchplatz Froggy Lair) gibt es auf Mabul noch eine weitere Spezialität, nämlich das sogenannte „Muck Diving“ v.a. am Tauchplatz Crocodile Avenue, benannt nach den hier oft anzutreffenden Krokodilfischen. Es handelt sich bei diesem Tauchplatz nicht um ein Riff, sondern um teilweise von Seegras bewachsenen Sandgrund, in dem es viel zu entdecken gibt. Wir haben u.a. ein Seepferdchen gesehen, diverse Seenadeln, Seegrasfeilenfische, verschiedene Schlangenaale und Korallenwelse. Es gibt auch den sehr giftigen Blauring-Octopus und den Fambloyant Cuttlefish, doch hatten wir nicht das Glück, diese Tiere zu entdecken.

Tauchplatzkarte Sipadan

Ein weiterer interessanter Tauchplatz für einen sog. Sunset Dive ist Paradise six, wo in einem Korallenstock einige Mandarin-Leierfische in geringer Tiefe leben und regelmäßig um 18.15 zur Paarung zu Zweit Richtung Wasseroberfläche tauchen. Wir sahen bei unserem Sunset Dive einige dieser Fische, allerdings schienen diese keine Lust zur Paarung zu verspüren. Zu empfehlen ist unbedingt ein Nachttauchgang auf Mabul. Neben Schwammkrabben, die ich nie zuvor gesehen hatte, Spinnenkrabben und anderen nachtaktiven Tieren sahen wir bei unserem Nachttauchgang ein Paar der seltenen Augenfleck-Rotfeuerfische.

Nach etwa einer Woche wurden wir einem anderen Divemaster zugeteilt, da Ronny sich ein paar freie Tage wohl verdient hatte. Wir tauchten von nun ab mit Deniah, einer Philippinin. Mit ihr sahen wir z.B. auf einer Rückfahrt von Sipadan nach Mabul im Kanal zwischen den beiden Inseln eine große Delphinschule, und Schildkröten bei der Paarung in der Nähe des Tauchplatzes „Whitetip Avenue“ und Leopardenhaie bei der Paarung am „Barracuda Point“. Der Barracuda Point ist ein faszinierender Tauchplatz, an dem sich häufig Tausende großer Barracudas in einem Schwarm sammeln, der sich im Kreis dreht. Wenn man nun noch die Sonne in das „Auge“ des Schwarmes bringt, hat man ein faszinierendes Unterwasserfotomotiv. Eigentlich könnte man den Platz auch „Jack Point“ nennen, denn Makrelenschwärme derselben Größe finden sich beinahe ebenso oft ein. Eine weitere erwähnenswerte Besonderheit des Barracuda Points sind noch die äußerst aggressiven Drückerfische. Schon oft habe ich Geschichten über Drückerfische gehört, die Taucher angreifen (z.B. der berüchtigte Bruno von Ellaidhoo/Malediven), und bekannt ist natürlich auch, dass Drücker ihr Gelege verteidigen. Noch nie habe ich aber erlebt, dass Drückerfische ohne Gelege tatsächlich regelmäßig Taucher attackieren. Genau dies passierte uns aber bei jedem Tauchgang am Barracuda Point. Beim ersten Mal war ich einigermaßen überrascht, als sich plötzlich einer dieser orangefarbenen Fische (es waren nicht die sonst als eher aggressiv geltenden Titan-Drücker) in einer meiner Flossen verbiss. In den folgenden Tauchgängen an diesem Tauchplatz erwischte es jedes Mal einen anderen Taucher aus unserer Gruppe, und am Ende des Urlaubs hatten eigentlich alle Taucher ein Drückerfisch-Andenken in der Flosse. Zum Glück hatten sich diese Fische nur auf Flossen spezialisiert...

Fischerdorf auf Mabul Fischende Kinder vor Mabul

Leider gingen auch diese zwei Wochen viel zu schnell vorbei. Bei unseren letzten Tauchgängen auf Sipadan hatten wir noch das Glück, 2 Mantas und einen Adlerrochen zu sehen, und dann hieß es Koffer packen. Immerhin hatte ich einige schöne Bilder machen können, die Sie auf meinen Seiten sehen können.

Fazit: Mabul (und Sipadan) sind unbedingt eine Reise wert. Mabul ist eine sehr ursprüngliche Taucherinsel, die Tauchern jeden gewünschten Komfort bietet. Man muss sich z.B. auch während des Urlaubs nicht um seine Ausrüstung kümmern, das erledigt die Bootscrew. (Allerdings tut man gut daran, die Crew - zumindest, wenn es sich um eigene Automaten handelt - daran zu erinnern, die ersten Stufen beim Spülen nicht ins Wasser zu tauchen...) Es ist auf Mabul nicht nur möglich, sondern üblich, 3 oder mehr Tauchgänge am Tag zu machen, was sonst eher nur auf Tauchsafaris die Regel ist. Mein erster Besuch auf Mabul wird sicher nicht mein letzter gewesen sein!

Zu den Malaysia-Bildern geht es hier.

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