Pole pole!

Tauchen in Kenia




Boot am Shanzu Beach Blick vom Garten des Paradise Beach Hotels aufs Meer

Vom 13.11.05 bis 27.11.05 war ich zum Tauchen im Paradise Beach Hotel des African Safari Club am Shanzu Beach in der Nähe von Mombasa.
Die Unterwasserbilder sind schon seit ein paar Tagen online auf der Kenia-Seite.
Nun ist auch der Reisebericht fertig:


"Pole pole" ist swahili und bedeutet auf Deutsch "langsam langsam". Pole pole ist auch eins der Lieblingswörter vieler Kenianer und spiegelt kenianische Lebensart wider. Nun sollte man es im Urlaub durchaus mal etwas langsamer angehen lassen und so der Hektik des Alltagsstresses entgehen. Wenn dies aber dazu führt, dass man wegen schlechter Organisation viele Dinge, um die man sich um Urlaub eigentlich nicht kümmern möchte, und die eigentlich Aufgabe des Staffs der Tauchbasis sind, selbst übernehmen oder zumindest permanent überwachen muss, ist dieses Ziel offensichtlich verfehlt.

Riff vor dem Shanzu Beach

Man kann an dem langen Saumriff vor der kenianischen Küste traumhafte Tauchgänge machen. Ich würde dafür allerdings beim nächsten Mal eine andere Tauchbasis wählen als die Tauchbasis des African Safari Club im Paradise Beach Hotel bzw. die Tauchbasis am Mtwapa Creek, denn hier befindet sich die eigentliche Basis. In der Basis am Shanzu Beach beim Paradise Beach Hotel werden nur die Tauchgänge gebucht, und es findet hier und im Hotelpool der Unterricht im Rahmen der Tauchkurse statt.

Hier checkten wir auch am Morgen unseres Ankunftstages ein. Ich hatte bereits von zuhause aus ein 10er-Paket gebucht und musste mich nur für die am nächsten Tag stattfindenden Ausfahrten eintragen. Logbuch, Brevet oder Tauchtauglichkeitsuntersuchung wurden keines Blickes gewürdigt.

Meine Freundin Melanie meldete sich für einen PADI-OWD-Kurs an, der am nächsten Tag beginnen sollte. Dieser Kurs wurden am nächsten Tag kurzfristig um einen Tag verschoben und fing so erst am Mittwoch an. Man versprach allerdings, dass der Kurs trotzdem wie vorgesehen am Freitag (also innerhalb von 3 Tagen!) beendet sein sollte. Am Donnerstag teilte der Tauchlehrer dann ohne Angabe von Gründen mit, dass am nächsten Tag kein Unterricht stattfinden könne; der Kurs würde erst am Samstag beendet werden. Nur auf massiven Protest der Tauchschüler erklärte sich der Tauchlehrer bereit, den Kurs am Freitag wie geplant fortzusetzen und zu beenden.

Pool im Paradise Beach Hotel

Zwei andere Tauchschüler aus dem Kurs wollten gerne später, nachdem sie ein paar Tauchgänge gemacht hatten, bei demselben Tauchlehrer einen AOWD-Kurs belegen. Der Tauchlehrer sagte zunächst zu, winkte aber ein paar Tage später wieder ab, da er doch keine Zeit habe, und schlug vor, dass ein anderer Tauchlehrer den Kurs abhalten würde. Damit waren aber die Tauchschüler nicht einverstanden, da sie schon den OWD bei "ihrem" Tauchlehrer absolviert hatten und daher auch gerne den AOWD bei diesem Instructor machen wollten. Überraschenderweise schlug der Tauchlehrer dann vor, dass die Tauchschüler gar keinen Kurs machen sollten, sondern einfach nur die Kursgebühren zu entrichten hätten und das Brevet dann ohne Kurs erhalten würden.


Tauchbasis am Mtwapa Creek

Die Tauchgänge fanden grundsätzlich am Morgen bzw. am Vormittag statt. Um 8 Uhr holte uns der Shuttle-Bus am Hotel ab, sammelte danach ggf. noch weitere Taucher am Palm Beach Hotel, das in derselben Anlage liegt wie das Paradise Beach Hotel, und an den außerhalb gelegenen ebenfalls zum ASC gehörigen Hotels Dolphin Beach und Flamingo Beach ein und brachte uns dann zur Tauchbasis am Mtwapa Creek. Die Fahrt dauert ca. 10 - 15 Minuten. Üblich war es, dass zwar der Shuttle-Bus und die Tauchgäste pünktlich da waren, man aber auf die Diveguides warten musste, die meist etwas später eintrafen. Häufig mussten diese dann noch einmal an die Basis zum Strand runter laufen, um Leihquipment, das sie von dort mitbringen sollten und vergessen hatten, zu holen. Gerade als Tauchschüler sollte man sich auch nicht darauf verlassen, dass der Instructor tatsächlich alles dabei hat, sondern es lieber selbst noch einmal checken, sonst bekam man an der Mtwapa Creek Basis nicht die gut sitzende Maske aus den Pool-Lektionen, sondern eine, die noch übrig war, aber vielleicht nicht so gut passte.

Tauchboot

Die Tauchausfahrten erfolgten mit einer Motoryacht, die mit zwei Yamaha Enduro 75 Außenbordern ausgestattet war. Üblicherweise fand die erste Ausfahrt gegen 9.00 Uhr, die zweite gegen 11.30 statt. Beinahe genauso üblich war es, dass einer der Aussenborder meist schon auf der Rückfahrt nach dem ersten Tauchgang den Dienst quittierte und man mit einem Motor im Schneckentempo zurück zur Basis fuhr. Die Rückfahrt dauerte dann statt eigentlich 10 Minuten oft 45 Minuten. Spannend war immer die Frage, ob die Crew den Motor wieder flott bekam und der zweite Tauchgang überhaupt stattfand. Geradezu ein Wunder war es, dass die Crew den Motor irgendwann dann doch wieder in Gang setzen konnte und zumindest in den Tagen, die wir dort tauchten, kein Tauchgang deshalb ausfiel.

Dass die Tauchgänge immer nur morgens und vormittags stattfanden, war zwar bequem für den Staff, aber bei dem recht ausgeprägten Gezeitenunterschied an der kenianischen Küste keine gute Idee, denn gerade bei ablaufendem Wasser war die Sicht durch Schlamm, der aus dem Mtwapa Creek ins Meer gespült wurde, oft eher schlecht.
Abweichend von der Regelung, zwei Ausfahrten hintereinander durchzuführen, erfolgte, wenn man zum Wrack der MV Dania, einem vor wenigen Jahren eigens für Taucher versenkten Transportschiff, fuhr, nur eine Ausfahrt, bei der zwei Tauchgänge auf einmal gemacht wurden (mit der Begründung, das Wrack sei so weit weg, da lohne es sich nicht, zwischendurch noch mal zur Basis zu fahren - die Fahrt zum Wrack dauerte 15 - 20 Minuten). Ferner wurde für die Ausfahrt zum Wrack unabhängig von der Anzahl der Tauchgänge eine Extragebühr von 10 Euro erhoben. Als ich das erste Mal mit zum Wrack fuhr, hatte man vergessen, genügend Flaschen für 2 Tauchgänge hintereinander zu füllen, so dass der Plan dahingehend geändert wurde, nur einen Tauchgang am Wrack zu machen, dann an der Basis die Flaschen zu füllen und danach einen näher gelegenen Tauchplatz anzufahren, da man nicht noch einmal die weite Anfahrt machen wollte. Nur mühsam nach Protest aller Gäste war man bereit, das Wrack für einen zweiten Tauchgang anzusteuern.

Das Wrack selbst ist ürigens ein schöner Tauchplatz. Es lag bis zum Tsunami vor einem Jahr aufrecht auf Sandgrund in einer maximalen Tiefe von je nach Tide maximal 29 Metern, ist aber nun in drei Teile zerbrochen und liegt auf der Backbordseite. Trotzdem ist es sehenswert, teilweise auch von innen zu betauchen und auch schon ganz ansehnlich bewachsen. Um das Wrack herum tummeln sich große Schwärme von Fledermausfischen, Spatenfischen, Barrakudas, Schnappern und Füsilieren. Am Bug ist eine Boje befestigt, die das Abtauchen und das Austauchen erleichtert.

Damit möchte ich nun die Beschreibung der negativen Seiten der Basis beenden. Sicher sind die aufgezählten Unzulänglichkeiten nicht alle gravierend (vielleicht einmal abgesehen von dem "geschenkten" Brevet), und mancher Leser mag denken, man solle das alles nicht so eng sehen. Sicher darf man nicht erwarten, dass immer alles glatt läuft, aber es kann auch nicht sein, dass man sich jeden Tag schon beim Frühstück fragt, was wohl heute alles schief gehen wird. Zur Entschuldigung lässt sich evtl. noch anmerken, dass die Basis offenbar erst 4 Wochen zuvor den Besitzer gewechselt hatte. Möglicherweise handelte es sich bei manchen Problemen also noch um Anfangsschwierigkeiten. Nicht bekannt ist mir, inwieweit auch der Staff gewechselt hatte. Ich hatte dieselbe Basis selbst vor 9 Jahren schon besucht und einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Damals hatte die Basis unter Leitung der Elsässer Roland und Edmée Imfeld gestanden, jetzt steht sie unter kanadischer Leitung.

Weißspitzenriffhai

Karettschildkröte


Nun zurück zu den positiven Seiten des Urlaubs, dem Tauchen an und für sich: das Saumriff, das sich von nördlich des Äquators von Somalia bis weit in den Süden nach Mosambik ausdehnt und vor allem vor der Küste Kenias und Tansanias aufgrund warmer Meeresströmungen besonders breit ausgebildet ist, präsentiert sich in hervorragender Verfassung. Ich habe an keiner Stelle Zeichen von Coral Bleeching entdeckt, und auch der Tsunami hatte keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Das Riff ist von der Architektur her nicht sehr interessant, es gibt keine Ergs wie in Ägypten, keine Thilas wie auf den Malediven, auch keine Grotten wie im Mittelmeer, sondern eben ein langes Saumriff, das in etwa 8 Metern Tiefe beginnt und in ca. 22 Metern in sanft abfallenden Sandgrund übergeht. So ist es auch relativ egal, an welcher Stelle man ins Wasser springt. Weißspitzenriffhaie gibt es nicht nur am Shark Point, sondern man begegnet ihnen bei sicher jedem zweiten Tauchgang an allen Stellen, und auch am Turtle Reef trifft man nicht auf mehr Schildkröten als an anderen Punkten, wo man ebenfalls bei fast jedem Tauchgang mehrere Exemplare dieser wunderbaren Reptilien sichtet. Einzig der Lobster Point trägt seine Bezeichnung vielleicht zu Recht, denn hier gibt es einen Überhang, unter dem sich immer 5 - 7 Langusten aufhalten. Großfische trifft man abgesehen von den Weißspitzenriffhaien selten (oder gar nicht). Gerade im November ziehen sogar Walhaie an der Küste vorbei, wir hatten aber nicht das Glück, einen zu sehen. Allerdings begegnete Melanie bei ihrem ersten Tauchgang am Außenriff gleich 3 Delphinen unter Wasser! Ansonsten gibt es die verschiedensten Fischarten des Indopazifik in teilweise großen Schwärmen, und auch diverse Nacktschneckenarten in großer Zahl.


Die vielleicht wichtigsten Aspekte waren für mich zum einen, dass Tauchen in Kenia (noch?) kein Massensport ist. Von den mehreren Hundert oder vielleicht 1000 Gästen der umliegenden ASC-Hotels sammelte sich jeden Tag nur eine kleine Gruppe von meist 6, maximal 10 Tauchern am Mtwapa-Creek, und das, obwohl das Hotel voll ausgebucht war. Auch am Riff waren wir immer alleine an einem Tauchplatz und sahen bei jeder Ausfahrt maximal ein anderes Tauchboot. Zum anderen - vielleicht resultierend aus der vorgenannten Tatsache - war das Riff in wirklich exzellentem Zustand. Es hat mir besser gefallen als vieles, was ich in Ägypten oder auf den Malediven gesehen habe. Das Riff ist aufgrund der maximalen Tiefe und auch meist nur geringer Strömung absolut anfängertauglich.

Schwarm Schwarztupfen-Süßlippen

Die Preise für die Tauchgänge bewegen sich im Rahmen, ein 10-er-Paket mit eigener Ausrüstung kostet 256 Euro, wobei es vom Preis her keinen Unterschied macht, ob man im voraus oder vor Ort bucht. Dennoch ist das Buchen des Tauchpakets von zuhause unbedingt zu empfehlen, da man nur so kostenfrei 10 kg Tauchgepäck mitführen darf. Ansonsten beträgt die Freigepäcksgrenze bei der ASA (African-Safari-Airways) 23 kg incl. Handgepäck, und sogar letzteres wird penibel gewogen. Man erspart sich also durch ein vorgebuchtes Tauchpaket, das einem dann Freigepäck in Höhe von insgesamt 33 kg gestattet, entweder das Bezahlen von Übergepäck oder das Umbuchen auf die Club-Class für 150 Euro, in der man ebenfalls 10 kg Freigepäck zusätzlich hat (und etwas mehr Abstand zwischen den Sitzreihen). Tauchgepäck muss auf jeden Fall angemeldet werden.

Zu den Tauchgängen kommt noch eine tägliche Marinepark-Gebühr von 5 Euro, die bar vorzugsweise in Euro vor Ort zu zahlen ist. Über diese Gebühr sollte der Staff eigentlich eine Quittung austellen, wir haben allerdings nie eine erhalten... Abweichend von den Empfehlungen in der Reiseinformation, möglichst kein Bargeld mitzunehmen, da man alles vor Ort mit Kreditkarte begleichen könne, möchte ich empfehlen, die Marinepark-Gebühr und auch die 10 Euro für Wracktauchgänge in der Reisekasse zu berücksichtigen. Außerdem muss die Zertifizierungsgebühr für etwaige Tauchkurse in Höhe von 25 Euro in bar gezhlt werden. Der OWD-Kurs kostete vor Ort übrigens 325 Euro, hier war das Vorausbuchen von zuhause deutlich günstiger (und sicherte ebenfalls zusätzliches Freigepäck).

Das Hotel ist in Ordnung, die Zimmer sind relativ geräumig (allerdings gab es hier bei gleicher Buchungsklasse offenbar teilweise Unterschiede) und sauber. Das Essen wird drei mal täglich in Buffet-Form serviert und ist genießbar und relativ abwechslungsreich. Abends steht das Buffet immer unter einem Motto (z.B. italienisch, asiatisch, indisch und sogar auch mal afrikanisch), allerdings wiederholt sich das Menu in genau derselben Abfolge und Zusammensetzung jede Woche. Dem kann man entgehen, indem man für eine Woche einen sogenannten Gourmet-Pass erwirbt, mit dem man für einmalig 75 Euro in jedem der A-la-Carte-Rstaurants (fast jedes der ASC-Hotels hat ein A-la-Carte-Restaurant, in dem man ansonsten gegen Aufpreis dinnieren kann) essen kann. Wir haben das nicht ausprobiert, da wir in der zweiten Woche ohnehin 3 Tage auf Safari waren. Andere Hotelgäste schwärmten allerdings von dem Essen in den A-la-Carte-Restaurants, das von der Qualität her deutlich besser sei als die Buffets.

Flusspferd im Kilimanjaro-Kimana-National-Park Krokodil im Kilimanjaro-Kimana-National-Park

Nicht ganz so wörtlich nehmen sollte man die Empfehlungen der örtlichen Reiseleitung. So empfahl man uns vor der Abreise auf die Safari, unbedingt Badebekleidung mitzunehmen, es gebe in der Lodge einen Swimming-Pool. Der "Pool" entpuppte sich vor Ort als Tümpel in der Nähe der Lodge, zu dem man unter Führung eines Massai gehen durfte. In dem Tümpel schwammen etwa 20 Flusspferde, am Ufer räkelte sich ein ausgewachsenes Krokodil...

Fazit: Kenia zum Tauchen gerne wieder, aber nicht mehr mit dem ASC. Entsprechend habe ich die Tauchbasis auch nicht in meine Links aufgenommen, eine ordentliche Website existiert ohnehin nicht.

Zu den Kenia-Bildern geht es hier.

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