Indonesien: Bunaken und Lembeh Strait




Halb-und-Halb-Aufnahme am Jetty von 
Siladen im Bunaken National Marine Park

Vom 7.11. bis 22.11.2008 verbrachte ich zwei Wochen in Indonesien. Mein Begleiter war einmal mehr mein langjähriger Buddy und ebenfalls Unterwasserfotograf Uwe. Die erste Woche verbrachten wir auf Bunaken, die zweite Woche führte uns zu den Critters in der Lembeh Strait.

Bunaken

Logo des Bunaken Cha-Cha-Nature-Resorts mit "Cha-Cha-Fish"

Als Domizil für die erste Woche hatten wir uns das Cha-Cha-Nature-Resort auf Bunaken ausgesucht, das in einer Stunde Bootsfahrt vom Hafen von Manado im Nordosten Sulawesis aus zu erreichen ist. Die komplette Anreise nach Bunaken von Frankfurt aus dauert etwa 24 Stunden (12 Stunden Flug nach Singapore, Umsteigedauer in Singapore von 5 Stunden im aktuellen Flugplan, Weiterflug nach Manado 4 Stunden, eine Stunde Auto- und eine Stunde Bootstranfer).

Restaurant des Cha-Cha-Resorts

Das Resort wird von Raf, einem Europäer irisch-italienischer Abstammung, und seiner japanischen Frau Reiko geleitet. Namensgeber des Resorts ist die juvenile Harlekin-Süßlippe, die aufgrund ihrer flatternd- tanzenden Bewegung in Indonesien Cha-Cha-Fish genannt wird.
Das Resort ist sehr familiär und bietet in 10 Doppelzimmern unterschiedlicher Kategorie Unterkunft für nur 20 Gäste, um deren Wohl sich etwa ebenso viele Angestellte kümmern. Die Zimmer liegen an einem Hang mit Blick auf das Meer hinüber zur Nachbarinsel Siladen und zum "Festland" Sulawesi. Die Mahlzeiten werden gemeinsam in einem halboffenen Restaurant eingenommen. Das Essen ist lokal und japanisch geprägt und sehr schmackhaft.

Blick von Bunaken nach Siladen bei Vollmond

Riff bei Fukui, Bunaken National Marine Park

Getaucht wird im Bunaken National Marine Park, der neben Bunaken auch die Inseln Siladen, Montehage, Nain und Manado Tua umfasst. Alle Inseln werde von Drop-Offs bis in 600 m Tiefe und mehr umgeben. Das Wasser ist sehr klar bei Sichtweiten von 30 - 40 m, und die Fauna extrem artenreich. Die Biodiversität, sei es im Hinblick auf Schwämme oder Korallen oder im Hinblick auf Fische, sucht ihresgleichen. Auch Bunaken selbst wird von einem solchen Drop-Off umgeben und bietet somit gute Schnorchelmöglichkeiten vom Cha-Cha-Resort aus. Unmittelbar vor dem Resort ist an der Riffkante, die je nach Tidenhub nur wenige Meter bis 100 m vom Ufer entfernt ist, ein Floß mit einer kleinen Hütte befestigt, das als Basis für Schnorcheltauchgänge dient.

Tauchboot des Cha-Cha-Resorts, im Hintergrund das Resort

Das Gerätetauchen findet in Form von Bootstauchgängen statt. Morgens erfolgt eine Ausfahrt, auf der zwei Ausfahrten mit einer Oberflächenpause von gut einer Stunde erfolgen, so dass man zum Lunch wieder im Resort ist. Die Ausfahrten werden mit kleinen Booten durchgeführt. Getaucht wird in Gruppen von zwei bis vier Tauchern plus Guide, jede Gruppe hat ihr eigenes Boot. Die Boote liegen in hüfttiefem Wasser und werden zu Fuß erreicht. Einen Steg gibt es nicht. Nachmittags sind weitere Tauchgänge sowie Dämmerungstauchgänge zu Mandarinfischen und Nachttauchgänge auf Anfrage möglich.

Blauring-Krake

Das Tauchen war sehr gut organisiert, man musste sich eigentlich um nichts weiter kümmern. Selbst das Equipment konnte man gestrost in der Obhut der Crew lassen, die es täglich in der Basis gespült hat. Auch die Tauchgänge an und für sich haben unsere Erwartungen erfüllt, wobei wir allerdings praktisch keine Großfische gesehen haben. Immerhin hat sich aber neben wunderschönen Riffen und kristallklarem Wasser ein langgehegter Wunsch erfüllt: entgegen der Ansage unseres japanischen Guides Chiaki entdeckte ich bei einem Nachttauchgang einen Blauring-Kraken.

Straße auf Bunaken "Coconut Tree Snake"

Außer Schnorcheln und Tauchen bietet die Insel nicht viele Möglichkeiten. Es gibt eine teilweise noch im Bau befindliche betonierte Straße auf der Insel, die den Süden mit dem Norden verbindet und gerade breit genug für ein Fahrzeug ist. Ansonsten gibt es ein paar Pfade, auf denen man spazieren gehen kann. Allerdings bietet die Insel trotz des Vorhandenseins ursprünglichen tropischen Regenwaldes wenig an interessanter Fauna zu entdecken. Bei unseren Spaziergängen liefen uns eigentlich immer nur freilaufende Hausschweine und Rinder über den Weg. Interessanter war das schon das Resort selbst, denn auf dem Dach unseres Bungalows lebten mindestens zwei der im Resort Coconut Tree Snakes genannten Schlangen (= Boiga irregularis, Braune Nachtbaumnatter?). Wir waren eben in einem Nature Resort.

Lembeh Strait

Für die zweite Woche siedelten wir um nach Lembeh Island, um in der Lembeh Strait nach den berühmten "Critters" zu tauchen. Mit dem Boot ging es erst nach Manado, dann mit dem Taxi in rund zwei Stunden nach Bitung, und schließlich von Bitung mit dem Boot in etwa 30 Minuten auf die Insel Lembeh, wo wir schon von Rob, dem Holländischen (mittlerweile Indonesischen) Gründer der Divers Lodge Lembeh, und seiner Indonesischen Frau Linda mit Sohn Adrian und ihrer Schwester Belgis erwartet wurden. Wir bekamen sogleich den Eindruck, in einem familiären und sehr freundlichen Resort gelandet zu sein, und dieser Eindruck sollte sich in der Woche, die wir dort verbrachten, voll und ganz bestätigen.

Blick vom Bungalow Richtung Süden über Lembeh Island, 
links im Bild die Walenekoko-Bucht, rechts verdeckt hinter den Bäumen die Lembeh Strait

Unser Bungalow

Das Resort besteht aus lediglich 8 Bungalows, die alle einen wunderschönenen Blick über den Süden der Insel Lembeh bieten. Unser Domizil erreichten wir nach mehreren Minuten Aufstieg über eine steile Treppe, denn wir bewohnten den am höchsten auf einem kleinen Hügel gelegenen Bungalow und genossen die Aussicht auf die Walenekoko-Bucht im Osten und die Lembeh-Strait im Westen. Der Anblick der Walenekoko-Bucht lud zum Schwimmen ein, doch davon wurde uns aufgrund des Vorkommens von Würfelquallen dringend abgeraten. Stattdessen stellt das Resort traditionelle Auslegerboote zum Paddeln zur Verfügung, mit denen sich die Bucht erkunden lässt.

Mandarin-Leierfisch-Pärchen

Eigentlich wollten wir dies auch sogleich in Angriff nehmen, da wir nicht erwartet hatten, am Ankunftstag noch Tauchen zu gehen. Doch gleich nach dem Lunch wurde uns Atu, unser Diveguide für die Woche vorgestellt, und fragte, wo wir tauchen wollten. Er schlug vor, einen Nachmittagstauchgang bei den Mandarinfischen gleich vor dem Resort zu unternehmen. Also fiel die Paddeltour aus, und wir unternahmen einen ausgedehnten Nachmittagstauchgang, der schließlich als Nachttauchgang endete. Mandarinfische sahen wir reichlich, leider taten sie uns aber nicht den Gefallen, im Rahmen ihrer Balzrituale gemeinsam Richtung Wasseroberfläche zu tanzen.

Mein Haus, mein Auto, MEIN BOOT...

In der Divers Lodge Lembeh dreht sich alles ums Tauchen und Fotografieren. Für einen relativ geringen Aufpreis auf das Tauchpaket kann man Non-Limit-Diving buchen, was hier absolut wörtlich zu nehmen ist. Man erhält sein eigenes Boot (natürlich komplett mit Kapitän, Bootsjunge und Tauchguide) und bestimmt selbst, wann und wo man tauchen möchte. Die Planung erfolgt abends nach dem gemeinsamen Dinner. Wir entschieden uns für täglich 3 Tauchgänge, was bei einer Tauchgangsdauer von oft genug 90 Minuten absolut ausreichend ist. Wir starteten jeweils nach dem Frühstück, machten 2 Tauchgänge vormittags, hatten Lunch auf unserem Boot und kehrten nach einem Nachmittagstauchgang zurück ins Resort. Wenn wir einen Nachttauchgang geplant hatten, starteten wir entsprechend später, hatten Lunch bereits nach dem ersten Tauchgang und waren zum Dinner zurück im Resort. Zwischen den Tauchgängen zurück ins Resort zu fahren empfahl sich nicht, da die meisten Tauchplätze eine dreiviertel bis ganze Stunde entfernt vom Resort liegen. Das Resort liegt im Süden von Lembeh Island, während die Tauchplätze eher im Norden der Lembeh Strait gelegen sind. Es gibt Resorts auf Sulawesi und auch auf Lembeh Island, die deutlich näher an den Tauchplätzen liegen, doch liegen diese Resort dadurch auch deutlich näher an Bitung, das mit seinem großen Hafen keine so schöne Kulisse bietet wie der Süden der Insel.

Hairy Frogfish

Das Tauchen in der Lembeh-Strait hatte etwas von einem Wunschkonzert. Abgesehen von ein paar Exoten galt: you name it, we show it. Atu fragte uns morgens, was wir gerne sehen wollten, und fuhr uns dann zielsicher zu einem Tauchplatz mit Flamboyant Cuttlefish, Schluckspecht oder Pygmäen-Seepferdchen, um nur ein paar zu nennen. Etwas schwer tat er sich mit dem Hairy Frogfish, den wir erst bei unserem letzten Tauchgang zu sehen bekamen. Oder hatte er es absichtlich spannend gemacht?

Blenny in leerer Tube

Grundsätzlich muss man natürlich wissen, dass das Tauchen in der Lembeh Strait nur entfernt etwas mit Tauchen an einem Korallenriff zu tun hat. Zwar gibt es vereinzelt Riffe, jedoch nicht die spektakulären Drop-Offs von Bunaken, sondern eher einzelne Korallenstöcke. Meistens wird über schwarzem Sand vulkanischen Ursprungs, der mit Algen und Pfanzen bewachsen ist, getaucht. Auch den vielen Müll, der allerorts vor allem in Strandnähe zu finden ist, sollte man nicht verschweigen, auch wenn er teilweise wieder nutzbar gemacht wird. Und an Tauchplätzen wie dem Police Pier taucht man eben geradewegs unter dem Pier, wo es allerdings viel zu entdecken gibt. Wir sahen dort z.B. gleich drei verschiedene Arten von Geisterpfeifenfischen. Wenn man sich also in der Lembeh Strait etwas von der Tropenidylle verabschieden muss, so entschädigt doch die ungeheure Artenvielfalt um ein Vielfaches dafür.

Auch abgesehen von dem eigenen Boot und der flexiblen Zeiteinteilung bietet Rob mit seiner Mannschaft einen außergewöhnlichen Service. Im Restaurantbereich steht ein Laptop mit Internetanschluss und Brennmöglichkeit für CDs und DVDs kostenlos zur Verfügung, und es gibt reichlich Bücher sowie einen großen Flatscreen und jede Menge DVDs über die Unterwasserwelt. In den Bungalows gibt es eine Ladestation mit reichlich Steckdosen europäischer Norm, und wer am letzten Tag nicht mit seiner eigenen Ausrüstung tauchen möchte, bekommt kostenlos Leihausrüstung. Insgesamt lässt sich der gebotene Service gepaart mit der Freundlichkeit des Staffs nur als außergewöhnlich bezeichnen.

Leider kam nach einer Woche der unvermeidliche Tag der Abreise. Die Heimfahrt war durch den zusätzlichen Transfer von Lembeh Island nach Manado und einen noch längeren Aufenthalt in Singapore (7 Stunden, die wir für eine Erkundung der Stadt zu Fuß nutzten) noch länger als die Hinreise, aber der Trip hatte sich wirklich gelohnt. Bunaken und Lembeh Strait sind eine sehr empfehlenswerte Kombination, und mit der Wahl unserer Resorts bzw. Tauchbasen waren wir mehr als zufrieden.

Und nun werfen Sie einen Blick auf die Bilder von Bunaken und Lembeh.

zurück zur Eintragsauswahl