Holland 2008




Am Tauchplatz "Franz Kok Rif", Dreischor

Auch dieses Jahr wollten wir nicht mit alten Traditionen brechen, und so fuhren Uwe und ich wie jedes Jahr zum inzwischen 8. Mal nach Scharendijke ans Grevelinger Meer. Sparen wollte ich mir dieses Jahr aber eigentlich den Reisebericht, da ich dachte, was sollte ich nun zum xten Mal über die eigentlich immer gleichen Tauchplätze schreiben. Nun gibt es jedoch zwei Gründe, doch ein bisschen über den diesjährigen Trip zu erzählen: zum einen wurde am Grevelinger Meer einiges getan, um die ohnehin schon ausgezeichnete taucherische Infrastruktur weiter zu verbessern, und zum anderen gibt es endlich einen deutschsprachigen Tauchführer über Schouven-Duiveland, der über das Internet und vor Ort in einigen Tauchshops zu beziehen ist und uns ein paar bislang unbekannte Tauchplätze offenbart hat.

Los ging es wieder am Mittwoch, so dass wir gleich Donnerstag früh wie üblich in Dreischor bei "Het Gemaal" starten konnten. Wie auch letztes Jahr machten wir hier gleich 2 Tauchgänge und wurden nicht enttäuscht. Für den 3. Tauchgang des Tages nahmen wir uns das kleine Wrack im Hafen von Scharendijke vor, zumal wir jeder nur 2 Tauchflaschen hatten und am Tauchzentrum De Kabbelaar unsere Flaschen füllen wollten.

Übergang über den Deich zum Tauchplatz "Het Wrackje" in Scharendijke

Hier erlebten wir eine positive Überraschung, denn die Zugänge zu den Tauchplätzen waren deutlich verbessert worden. In Scharendijke gibt es zwei Tauchplätze, nämlich das kleine Wrack an der rechten Mole (der mit dem dem Turm) und die Reefballs links von der linken Mole. Während man zum Wrack früher zunächst erst nach ganz links zum Treppenaufgang und -übergang über den Deich und dann vorbei an den Reefballs wiederum nach rechts bis fast an das Ende des Deiches laufen musste, gibt es nun einen neuen Treppenübergang, der auf direktem Weg zur rechten Mole führt. Auch die Reefballs sind nun leichter erreichbar, denn hier führt nun ein Steg bis weit hinaus auf das Wasser, so dass man die lange Schwimmstrecke durch 1-2 m tiefes Wasser, bis nach in tiefere Bereiche zu den Reefballs auf etwa 10 m vordringt, umgehen kann. Doch den Tauchgang an den Reefballs hoben wir uns für den nächsten Tag auf. Am Wrack erlebten wir unsere zweite angenehme Überraschung: die Sichtweite. Während diese in Scharendijke eigentlich traditionell schlecht ist und man das Wrack gelegentlich erst dann erkennt, wenn man schon beinahe mit der Maske gegen die Bordwand stößt, betrugen die Sichtweiten dieses Jahr bis zu 5 Meter. Am Heck des Wracks erwartete uns ein im Freiwasser schwimmender kapitaler Aal, und im Wrack versteckten sich wie üblich einige Franzosendorsche. Am Boden unter dem Heck entdeckten wir neben mehreren großen Taschenkrebsen und Hummern einen großen Seeskorpion und einen Froschdorsch, und in einem Fenster an der Bordwand wartete ein ausgewachsener Butterfisch von 25 cm Länge im Gegensatz zu den kleinen jungen Butterfischen, die man häufig zwischen dem Meersalat im flacheren Wasser findet. Wir waren begeistert!

Blick vom Parkplatz über den Hafen zum Tauchplatz "Haven" in Den Osse

Die überraschend guten Sichtweiten und unser frisch erworbener Tauchführer inspirierten uns, am nächsten Morgen auf Entdeckungsreise zu gehen und Neuland zu erkunden. Den Tauchplatz am Kerkweg in Den Osse kannten wir schon, daher nahmen wir uns als ersten Tauchgang am Freitag den Hafen von Den Osse vor. Der Tauchplatz liegt natürlich nicht im, sondern links (westlich) des Hafens. Der Tauchgang führt entlang einer Mole in nördlicher Richtung auf das Fahrwasser zu, und je nach erreichter Tiefe befindet man sich im Fahrwasser, so dass von freien Aufstiegen während des Tauchganges unbedingt abzusehen ist. Der Tauchgang führt relativ lange durch den Flachwasserbereich, wobei wir im Sand viele Nordseegarnelen, Fadenschnecken und Aalmuttern fanden. Im tieferen Bereich standen einige Reusen, in die sich schon einige Hummer verirrt hatten. Bei den aktuellen Sichtweiten kein Problem, wäre es bei der teils schlechten Sicht im Grevelinger Meer eventuell schwierig gewesen, sich zwischen den Reusen zurecht zu finden. Im Hafen gibt es einen großen Parkplatz und an weiterer Infrastruktur ein Dixieklo. Der Weg zur Einstiegstelle beträgt etwa 400 m. Vom Hafen fahren Rundfahrtboote ab, so dass man von der Straße nur der Beschilderung "Haven/rundvaartboten" folgen muss, um zum Parkplatz zu gelangen.

Einstieg zum Tauchplatz "Zeelandbrug" in der Oosterschelde Füllstation und Infotafel am Tauchplatz "Zeelandbrug" in der Oosterschelde

Den zweiten Tauchgang machten wir an der Seelandbrücke in der Oosterschelde. Diesen Tauchplatz hatten wir mehrere Jahre nicht betaucht, da die Sicht hier meist schlecht ist. Die Oosterschelde hat durch das Gezeitenkraftwerk "Neltje Jans" einen freien Zugang zur Nordsee, so dass es in der Oosterschelde Gezeiten und damit auch Strömung gibt. Der Tauchgang sollte eine halbe Stunde vor Hoch- oder Niedrigwasser beginnen, um diesem Umstand Rechnung zu tragen. Ein Blick in die Gezeitentabelle, die in jeder Tauchbasis auf Zeeland ausliegt, ist also unabdingbar. Die Infrastruktur war hier seit unserem letzten Besuch ebenfalls aufgewertet worden: neben dem fast ubiquitären Dixieklo fanden wir eine 24-h-Füllstation und eine neue ausführliche und schön bebilderte Infotafel über Fauna und Flora vor. Bezüglich der Sichtweiten erfüllten sich unsere Hoffnungen, sie waren zwar wie immer schlechter als im Grevelinger Meer, lagen aber mit 2-3 Metern auch deutlich über dem, was sonst von der Oosterschelde gewöhnt waren. Wir fanden wie immer in der Oosterschelde sehr viele Gespensterkrabben und an der Westspitze des ersten Pfeilers ein großes Feld mit Zerbrechlichen Schlangensternen. Am Pfeiler standen wie meistens Dicklippige Meeräschen.

Einstieg zum Tauchplatz "Reefballs" in Scharendijke

Den dritten Tauchgang machten wir an den Reefballs in Scharendijke. Wir benutzten den neuen Steg, vom dem man wie von einem Tauchsafariboot gleich am Tauchplatz in Wasser springt. Das Grevelinger Meer ist am Ende des Stegs ca. 3 m tief, die nahe gelegene Boje markiert eine Übungsplattform in 10-11 m Tiefe, und gleich daneben beginnen die Reefballs. Unter der Plattform standen einige große Franzosendorsche, im Sand beobachteten wir hier auffallend viele Schollen. Die übrige Fauna in Form von Strandkrabben, Taschenkrebsen, Hummern und Felsgarnelen war ebenfalls wieder zahlreich vertreten. Den Tauchgang beendeten wir nicht am Ende des Stegs, sondern tauchten in Richtung Land, um den mit Meersalat und Austernbänken bewachsenen Flachwasserbereich zu erkunden. Allerdings kürzten wir, da die Tauchzeit schon deutlich über eine Stunde betrug, schließlich ab und erreichten über die Treppe seitlich am Steg das Ufer.

Einstieg zum Tauchplatz "Kijkuit" Richtung des Tauchganges am Tauchplatz "Kijkuit"

Den nächsten Tag begannen wir wieder mit einem neuen Tauchplatz. Kijkuit ist ein ziemlich unbekannter Platz zwischen Brouwershaven und Dreischor. Von Brouwershaven kommend biegt man in den Kijkuitsdijk ein und am Hinweisschild "Camping Kijkuit" auf den Dwarsdijk ab. Dort parkt man, sobald die Straße sich vor dem Deich gabelt und nach rechts in den Zeedijk übergeht. Es gibt hier weder einen regulären Parkplatz, noch sonstige Infrastruktur. Man sollte also nach Möglichkeit so am Straßenrand parken, dass der allerdings recht spärliche Verkehr nicht behindert wird. Der Einstieg zum Tauchplatz ist geradeaus über den Deich entlang der Landzunge am Beginn der Mole. Getaucht wird Richtung Norden entlang der Mole geradewegs Richtung Fahrwasser, also auch hier nicht während des Tauchganges auftauchen. Der Boden besteht größtenteils aus Sandgrund mit Austernbänken, die Fauna unterscheidet sich nicht grundlegend von der an anderen Plätzen. Allerdings erlebten wir hier gigantische Sichtweiten von 10 m. Ob es sich dabei nur um einen "Ausrutscher" gehandelt hat, werden wir nächstes Jahr prüfen.

Neuer Steg am Tauchplatz "Franz Kok-Riff" in Dreischor

Den zweiten Tauchgang machten wir am Franz Kok-Riff, dem zweitem Tauchplatz in Dreischor. Auch diesen Platz ziert neuerdings ein komfartabler Steg, der direkt an den Reefballs endet. Wieder wurden wir mit guten Sichtweiten verwöhnt und machten schöne Bilder von Schwargrundeln, Leierfischen und co.

Optimistisch durch den Tauchgang am Wrack in Scharendijke zwei Tage zuvor plante wir den für den dritten Tauchgang des Tages ein paar Weitwinkelaufnahmen am Wrack. Allerdings verließ uns das Glück nun etwas, die Sichtweiten waren zwar immer noch besser als sonst, aber nicht wirklich Weitwinkel-geeignet. Gesehen haben wir exakt dieselben Bewohner des Wracks wie am Donnerstag, den großen Aal eingeschlossen, den wir allerdings erst auf dem Rückweg zum Ufer aus dem Meersalat aufschreckten.

Parkplatz am und Aufgang zum Tauchplatz "'t Koepeltje"
Steg am Tauchplatz "'t Koepeltje"

Den letzten Tauchgang Sonntag früh machten wir ausnahmesweise nicht an Prekhil, sondern weiter auf der Suche nach Neuem an "'t Koepeltje", einem Tauchplatz, der uns schon oft durch recht viel Betrieb am Wochenende vom Brouwersdam aus ins Auge gefallen war, den wir aber bislang nie betaucht hatten. Er liegt in der südwestlichsten Ecke des Grevelinger Meers praktisch am Brouwersdam, der das Grevelinger Meer von der Nordsee trennt. Geparkt wird auf einem Parkplatz an der Straße von Scharendijke nach Brouwersdam/Nordseestrand, auf dem sich auch die gleichnamige Cafeteria ("'t Koepeltje") befindet. Um den Tauchplatz zu erreichen, muss man den Parkplatz nach rechts zurück auf die Straße verlassen und etwa 15 m weiter einen recht langen steilen Treppenaufgang überwinden. Dafür hat man vom kuppelförmigen Aussichtspunkt (daher auch der Name) einen sehr schönen Blick über das Grevelinger Meer und hinüber zur Nordsee.

Der Tauchplatz wartet mit Toiletten und einem abgetrennten Badebereich sowie auch hier einem neu gebauten Steg auf. Der Fußweg vom Parkplatz zum Steg dürtfe etwa 500 m betragen. Vom Steg springt man hier nichts ins Wasser, denn es ist zu flach. Stattdessen steigt man eine der beiden Leitern herunter und steht dann auf einer Plattform, von der man bequem lostauchen kann. Es gibt sogar eine Art kurbelbetriebenen Lift, mit der behinderte Taucher ins Wasser gelassen werden können. Der Tauchplatz hat uns insgesamt nicht so begeistert, was aber möglicherweise auch nur an dem wochenendbedingten großen Andrang und der vielleicht auch dadruch bedingten schlechten Sicht lag. Für das Grevelinger Meer sahen wir hier auffallend viele Gespensterkrabben, außerdem Seenadeln, Franzosendorsche und die üblichen Verdächtigen.

Tot ziens, bis nächstes Jahr!

Bitte sehen Sie sich die aktuellen Bilder und die Bilder aus den Vorjahren an.

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