Vereinsfahrt 2009 nach Ägypten: El Quesier




Am Hafen von El Quesier

Als Zugeständnis an unsere nicht ganz so seefesten Vereinsmitglieder planten wir unseren diesjährigen Vereinstrip nicht als Tauchsafari, sondern zur Abwechslung als landgestützten Tauchurlaub. Um möglichst vollständig auf Bootsfahrten verzichten zu können, suchten wir nach einer Tauchbasis mit Hausriff und Tagesausfahrten per Jeep/Bus. Unsere Wahl fiel schließlich auf das Pharao-Dive-Center im Hotel Fanadir in El Quesier.

Gewürzhändler in El Quesier

El Quesier ist im Gegensatz zu den vielen anderen Ortschaften am Roten Meer ein über 5000 Jahre alter gewachsener Ort, der noch recht ursprünglich wirkt und touristisch nicht überlaufen ist. Im Norden des Ortes gibt es 3, im Süden eine Hotelanlage, nämlich das Fanadir. Im Ort selbst gibt es keinerlei Touristen-Hotels und auch von ein paar Souvenirläden abgesehen eher authentische Geschäfte. Es lohnt sich auf alle Fälle, am Nachmittag einen Bummel durch den Ortskern und entlang der Strandpromenade zu unternehmen.

Hotel Fanadir

Das Hotel Fanadir ist ein etwa 10 Jahre altes ägyptisches Hotel, das seit seiner Renovierung vor etwa einem Jahr unter Deutscher Leitung steht und vorzugsweise von Deutschen und Schweizer Gästen besucht wird. Die Anlage ist überschaubar und bietet maximal 56 Gästen in 28 Doppelbungalows, die halbkreisförmig um eine Gartenanlage mit Blick auf das Meer gelegen sind, Platz. Es gibt weder Animation, noch Kinderbetreuung. Wert gelegt wird auf eine individuelle Betreuung in ruhiger Atmosphäre. Die gute Seele des Hauses ist Ursula, die sich sehr liebevoll um ihre Gäste kümmert und zusammen mit ihrer ägyptischen Crew jeden Abend auf Vorbestellung am Vorabend die Gaumen ihrer Gäste mit orientalischen und Deutschen Genüssen verwöhnt.
Freilich ist das Fanadir kein Luxus-Hotel. Nach deutschem Standard entspricht es etwa einer 3-Sterne-Anlage. Die Zimmer sind einfach, aber sauber. Das Personal ist sehr freundlich, Deutsch wird allerdings vom einheimischen Personal praktisch nicht und Englisch auch zum größten Teil nur in sehr einfacher Form gesprochen. Das Frühstücksbuffet ist wenig abwechslungsreich und sehr lieblos angeboten, aber es macht satt. Zum Zeitpunkt unseres Besuches herrschte tagsüber eine massive Fliegenplage, was allerdings nicht hotelspezifisch war. Außerdem erkrante unsere komplette Reisegruppe am 3. Tag des Aufenthaltes akut an einer Magen-Darm-Grippe, auch andere Hotelgäste waren betroffen. Zeitgleich erkrankte aber auch ein Teil des Gäste des Mövenpick-Resorts sowie einige Einheimische, die in keinem der beiden Hotels verpflegt worden waren, so dass dies eher nicht dem Hotel anzulasten ist.

Schild mit Logo des Pharao-Dive-Center

Wähend also das Hotel unter dem Strich noch recht gut abschneidet, lässt sich über die Tauchbasis leider nicht allzu viel Positives berichten. Die Basis hatte wohl 4 Wochen zuvor die Leitung gewechselt und wurde aktuell von Michael, der zuvor als Tauchlehrer im Mövenpick-Resort tätig gewesen war, geführt. Michael erklärte uns am Abend unserer Ankunft, dass er die Basis einige Wochen zuvor übernommen und ein heilloses Chaos vorgefunden habe, dass er aber nun alles fest im Griff habe und sich alles zum Positiven wenden werde für den Pharao-Dive-Club. Als nächstes folgte eine Aufzählung sämtlicher Tauchlehrer-Weihen verschiedenster Verbände, die er inzwischen erworben habe, sowie die Erwähnung mehrerer Tausender Tauchgänge.
Leider passte das, was wir in den nächsten Tagen erleben durften, so gar nicht zu Michaels vollmundigen Versprechungen. Die Tauchbasis war ein organisatorisches Chaos, die Ausfahrten starteten selbst für Ägyptische Verhältnisse immer zu spät, es wurden Ausrüstungsgegenstände vergessen, das Boot hatte Aussetzer. Am schlimmsten aber war Michaels grenzenlose Hybris. So ließ er weder an seinen Angestellten, noch am Hotel (von dem er in gewisser Weise wirtschaftlich abhängig ist), noch an anderen Gästen ein gutes Haar, sondern lästerte uns gegenüber eifrig über die genannten Personengruppen. (Vielleicht liest diesen Bericht jemand, der mit uns im Hotel war; es würde mich interessieren, wie er sich über uns geäußert hat...)

Was uns am meisten ärgerte, war der Vorfall, der sich am Tag vor unserer Abreise ereignete: unser Flug ging donnerstags um 13.30, weshalb wir Dienstag Abend mit Michael vereinbart hatten, am Mittwoch im Laufe des Vormittags zwei Tauchgänge zu machen, so dass wir spätestens um 13.00 Uhr nach dem zweiten Tauchgang aus dem Wasser sind, um mindestens ein 24h-Intervall zum Rückflug einzuhalten. Michael sagte uns dies zu; man würde auf das Tagesausfahrtsboot gehen, das aber im Hafen liegen bleibe, und 2 Tauchgänge mit dem Zodiac an um die Ecke gleich in der Nähe des Hafens gelegenen Riffen machen. Am nächsten Morgen hatte Michael seine Vereinbarung offensichtlich völlig vergessen. Auf dem Tagesausfahrtsboot waren außer uns plötzlich noch Gäste aus dem Mövenpick-Hotel, die Michael aus dem Vorjahr zu kennen schien, und die wohl eine Tagesfahrt machen wollten. Das wurde uns aber nicht gesagt. Das Boot fuhr entgegen der Vereinbarung (und das auch noch mit erheblicher Verspätung) los. Auf unser Nachfragen erklärte uns Michael, dass die zeitliche Planung dennoch eingehalten werden könne. Um die Geschichte etwas abzukürzen: den ersten Tauchgang beendeten wir um 13.15 Uhr, an einem 2. Tauchgang war also im Hinblick auf den Rückflug für uns nicht mehr zu denken, und die Mövenpick-Gäste verspürten plötzlich Hunger, so dass das Boot schließlich umkehrte und gar kein zweiter Tauchgang mehr erfolgte...

Jeep-Safari

Auch ansonsten war das Tauchen in diesem Bereich Ägyptens eine neue Erfahrung: wir entdeckten das landgestützte Tauchen. Am 2. Tag unternahmen wir eine halbtägige "Jeep-Safari" zu einem etwas nördlich von El Quesier gelegenen Tauchplatz. Wir saßen eine gute Stunde eingepfercht in einem klapprigen Minibus, um dann unter sengender Sonne auf ein paar staubigen Plastikteppichen aufzurödeln und schließlich noch 5 Minuten über zum Glück trocken gefallenes Riffdach schweißgebadet zum Einsteig zu Laufen. Das Ganze erinnerte abgesehen von den höheren Temperaturen an eine Fahrt zum Baggersee. Am Einstieg angekommen, mussten wir nur noch 10 Minuten durch einen kaum bewachsenen versandeten Canyon mit schlechter Sicht tauchen, um endlich am Riff angekommen zu sein. Hurra! Wir waren uns einig, dass wir diese Art des Tauchens nicht wirklich brauchten und beschränkten uns fortan auf Bootstauchen oder das Hausriff.

Einstieg zum Hausriff Tunnel mit Führungsleine auf dem Weg zum Hausriff

Letzteres war eine angenehme Überraschung. Zwar gab es leider keinen Steg zum Hausriff wie in anderen Hotels in El Quesier, sondern man musste auch hier über das Riffdach laufen und vom Einsteig durch einen Canyon und sogar einen Tunnel tauchen, doch dauerte dies nicht so lange und machte auch keine Anfahrt nötig, sondern war - allerdings nur bei auflaufendem Wasser - nach kurzer Absprache mit der Basis meist auch kurzfristig möglich. Das Hausriff ist ein Saumriff bis etwa 12m Wassertiefe, danach folgt flacher Sandgrund. Es ist recht intakt und durchaus mehrere Tauchgänge wert. Es wimmelt von Seenadeln, wir trafen regelmäßig auf Krokodilfische und dvierse Muränenarten, sahen beim Nachttauchgang eine spanische Tänzerin und bei 3 Tauchgängen in Folge den wahrscheinlich immer selben juvenilen Weißspitzen-Riffhai.

Einsteig in Marsa Abu Dabbab

Erwähnenswert ist noch die Möglichkeit, in Marsa Abu Dabbab, das eine gute Stunde südlich gelegen ist, in einer Bucht mit Suppen-Schildkröten, Gitarren-Rochen und manchmal auch einer Sehkuh zu tauchen. Des Dugongs wegen nahm ich nochmals die Strapaze einer längeren Autofahrt auf mich. Die Erfahrung war interessant: man taucht vom Strand eines riesigen Hotelkomplexes aus, der fest in italienischer Hand ist. Es ist ein wenig wie im Hochsommer an der Adria: es reiht sich Liege an Liege, aus Lautsprechern dröhnen Musik und Animation. Voll aufgerödelt watet man zwischen Badenden am Sandstrand ins Wasser und taucht entlang eines flachen Riffkomplexes in 5 Metern Tiefe zu einer Seegraswiese. Hier wird man für den Aufwand entschädigt: tatsächlich grasen hier mehrere sehr stattliche Turtles, die sich auch bei maximaler Annäherung nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Pilotfische auf den Schildkröten erreichen sicher einen Meter.

Suppenschildkröte Gitarren-Rochen

Auch die Gitarrenrochen schwimmen mehrfach vorbei, sind aber leider etwas scheu. Und die Seekuh hat heute offenbar keinen Hunger... (Die Wahrschein-lichkeit, sie zu sehen, wurde von Michael mit 50% für 2 Tauchgänge angegeben. Der Guide, der mich begleitete, hatte sie aber nach 5 Tauchtagen noch nie gesehen.)

Insgeamt ist dieser Urlaub eher als wertvolle Erfahrung zu verbuchen, denn eine Wiederholung wert. Aber Ägypten ist halt auch nicht Nord-Sulawesi.

Und nun werfen Sie einen Blick auf die Bilder aus El Quesier.

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